Unwetter: Überflutete Keller und Straßen halten Floriansjünger in Atem
20 Feuerwehren mit 250 Floriansjüngern bewältigen über 100 Einsätze
Lkr. Traunstein. Eine Gewitterfront mit Sturmböen, Hagel, Graupel und Starkregen, die am Montagabend von Südosten über den Landkreis hinweggezogen ist, hielt die Feuerwehren in Atem. Überflutete Keller, durch eingeschwemmtes Erdreich verschmutzte Straßen, bis zu 50 Zentimeter auf Fahrbahnen aufgetürmte Hagel- und Graupelhaufen, umgerissene Bäume und abgerissene Äste waren die Folgen des regional begrenzten Unwetters, dass vor allem in einem Gebiet in der Landkreismitte zwischen Waging über Kammer, Matzing und Traunreut bis nach Trostberg Ursache für über 100 Feuerwehreinsätze war. Mehr als 20 Feuerwehren rückten aus und fast 250 Floriansjünger waren beschäftigt, um die Unwetterschäden zu beheben.
Der Einsatzmarathon begann gegen 18.30 Uhr als Gewitterwolken von Südosten den Himmel verdunkelten und sich kleinkörniger Hagel, Graupel und Starkregen vor allem über Kammer ergoss. In Minuten waren Straßen überflutet, teilweise völlig unpassierbar und Keller liefen voll. Besonders betroffen waren die Räume einer Schreinerei, die überflutet wurden. Sandsäcke mussten von der Feuerwehr eilends aufgeschlichtet werden, um dem in Sturzbächen fließendem Wasser den Weg zu versperren. Eine Kehrmaschine wurde eingesetzt, um die Straßen von eingeschwemmtem Erdreich zu säubern. Die Kreisstraße TS 1 zwischen Kammer und Zweckham musste zeitweise völlig gesperrt werden. Allein die Feuerwehr Kammer hatte, unterstützt von den Kameraden der Feuerwehren Traunstein und Otting 18 Einsatzstellen, vor allem wegen überfluteter Keller, abzuarbeiten.
Spektakulär war die Lage auch auf der Bundesstraße 304 bei Matzing. Auf rund 400 Meter lagen Graupel und Hagelkörner bis zu einem halben Meter Höhe auf der Fahrbahn und auf den Gleisen der Bahnlinie von Traunstein nach Mühldorf. Die Feuerwehr Matzing forderte einen Schneepflug an, um die Bundesstraße wieder freizubekommen. Dieser war jedoch so schnell nicht zu bekommen, so dass die Floriansjünger Hand anlegten und Geröll und Erdreich mit Schaufeln und Besen von der Fahrbahn zu räumen. Neben der Bundesstraße schien es als sei der Winter zurückgekehrt. Eine dicke weiße Schicht lag auf Feldern und Wiesen. Auch in der Marktgemeinde Waging war ein Großaufgebot der Feuerwehren im Einsatz um die Unwetterschäden zu beheben. Dabei waren neben der Feuerwehr aus dem Hauptort auch die Wehren aus Nirnharting, Gaden und Otting im Einsatz. Die Feuerwehr stellte fest, dass die Bahnstrecke zwischen Waging und Traunstein teilweise unterspült wurde. Daraufhin setzte die Bahn den Notfallmanager in Aktion und ein Kontrollzug befuhr die Strecke.
In Zweckham bei Traunreut waren Straßen und Keller überflutet. Um den Wassermassen Herr zu werden setzten Landwirte ihre Güllefässer und Pumpen zur Verfügung und unterstützen die Feuerwehr. Besonders viele Einsätze hatte auch die Feuerwehr Trostberg. Auch dort waren viele Keller auszupumpen und Straßen wieder passierbar zu machen. Die Feuerwehr wurde auch ins Eisstadion gerufen. Dort wurden Keller überflutet und es wurde befürchtet, dass Ammoniaktanks aufgeschwemmt werden und dies zu Schäden führen könne. Die Feuerwehr konnte jedoch Entwarnung geben. In der Pienzenauerstraße wurde ein Blitzeinschlag in ein Wohnhaus gemeldet. Dabei wurden Stromkabel aus der Wand gerissen und im Dachgeschoss Staub aufgewirbelt, offenes Feuer entstand glücklicherweise nicht. Die Feuerwehr kontrollierte das Gebäude, konnte allerdings nach wenigen Minuten wieder abrücken und die Einsätze zur Beseitigung der Unwetterschäden fortsetzen, bei denen sie von den Nachbarwehren aus Heiligkreuz und Oberfeldkirchen unterstützt wurden.
Feueralarm gab es auch in Kirchanschöring. Dort wurden die Feuerwehren wegen eines Kellerbrandes im Sportheim alarmiert. Durch einen Blitzeinschlag verursacht wurde die Elektro- und Computeranlage beschädigt, ein Schaltkasten geriet in Brand und schmorte. Das Feuer war von Atemschutzträgern schnell gelöscht; ein umfangreicher Löscheinsatz der Feuerwehren Kirchanschöring und Fridolfing war jedoch nicht notwendig. Die Feuerwehr setzte Belüftungsgeräte ein, um den Brandrauch aus dem Gebäude zu blasen. Den entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei auf rund 5000 Euro.
Um 23 Uhr waren die Unwettereinsätze erledigt und die Floriansjünger konnten in die Gerätehäuser zurückkehren.
Text: Peter Volk
Quelle: Kreisfeuerwehrverband Traunstein