Feuerwehr mit Nachwuchssorgen

Traunreut (mix). Die Freiwillige Feuerwehr Traunreut schreibt jedes Jahr junge Traunreuter Bürger an und lädt sie zu einem Informationstag ein. Sinn und Zweck der Einladung ist es, die Feuerwehr vorzustellen und neue Mitglieder für die Jugendgruppe zu werben. Beim diesjährigen Infotag sind genau drei Buben gekommen, von denen einer der Sohn des Kommandanten ist.

„Es ist einfach nur deprimierend. Wir wissen nicht, was wir noch tun sollen, um den jungen Leuten die Feuerwehr schmackhaft zu machen und neuen Nachwuchs zu bekommen. Wenn das so weitergeht, haben wir in einigen Jahren echte Probleme“, erklärt der Traunreuter Kommandant Ingo Klepke. Jugendwart Konrad Unterstein und sein Team hatten sich für den Jugendinformationstag ein tolles Programm ausgedacht und wollten den Jugendlichen damit so richtig Lust auf die Mitarbeit bei der Feuerwehr machen. Von 400 angeschriebenen Jugendlichen aus der Stadt Traunreut im Alter von 14 Jahren sind allerdings nur ganze drei erschienen. Und wenn Kevin Klepke, der Sohn des Kommandanten, nicht seine zwei Freunde mitgebracht hätte, wäre es noch schlimmer gewesen.

Dabei wäre das Programm des Infotages durchaus interessant gewesen und hätte einen guten Eindruck von der Arbeit bei der Feuerwehr vermittelt. Echtes Feuer in der Brandsimulationsanlage, Fahren mit der Drehleiter, ein kleiner Löschangriff in voller Schutzkleidung, die Vorführung einer Rettungsaktion bei einem Verkehrsunfall und eine Fettexplosion waren geplant. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wurde das Programm allerdings dann nur in abgespeckter Form durchgeführt.

Konrad Unterstein zählt auf, welche Werbemaßnahmen unternommen werden, um neue Jugendliche für den Dienst bei der Feuerwehr zu gewinnen. Die Jugendgruppe stellt sich in den Schulen vor, ist bei Festen in der Stadt immer mit einem Infostand vertreten, gibt beim Spritzenhausfest Informationen, beteiligt sich am Ferienprogramm der Stadt, präsentiert sich auf der Homepage der Feuerwehr. „Ich weiß wirklich nicht, was wir noch mehr tun könnten“, so der Jugendwart. Auch die Jugendübung wurde schon auf den Samstag verlegt, weil die Jugendlichen unter der Woche nicht mehr genügend Zeit haben.

Die Feuerwehren werben derzeit Bayernweit mit dem Slogan „stell dir vor du drückst und alle drücken sich“. Ingo Klepke greift diesen Spruch auf und setzt ihn um: die drei anwesenden Buben waren gerade mal 0,75 Prozent der eingeladenen Jugendlichen. Klepke: „Stell dir vor, es brennt in der Stadt und nur 0,75 Prozent der Feuerwehr kommt zum Löschen!“ In fünf bis zehn Jahren, wenn ein Großteil der heutigen Aktiven langsam ausscheidet, könnte die Freiwillige Feuerwehr Traunreut nach Meinung des Kommandanten ein echtes Problem bekommen, wenn nicht bis dahin wieder Nachwuchs kommt. Im Moment zählt die Jugendgruppe der Traunreuter Wehr nur noch drei Mitglieder, die alle schon bald zu den Aktiven wechseln können. Dann entsteht ein Loch. „Auf Dauer kann die Freiwillige Feuerwehr dann den Schutz der Traunreuter Bürger nicht mehr garantieren. Dann muss sich die Kommune was überlegen“, meint der Kommandant. Es müssten seiner Meinung nach Anreize geschaffen werden, die die Mitarbeit bei der Feuerwehr attraktiver machen. Er weiß aber auch, dass die Nachwuchsfrage kein spezielles Problem der Traunreuter Wehr ist. Auch andere Feuerwehren im Land und andere Vereine haben Nachwuchssorgen. Bei seinem Sohn Kevin stellt sich die Frage nicht so sehr. Er ist schon von klein auf durch das Amt seines Vaters in die Feuerwehr mit hineingewachsen und weiß, um was es dabei geht. Und wenn er selber Feuerwehrmann ist, ist er das in der vierten Generation der Klepke-Familie.

Quelle: Pia Mix / Traunreuter Anzeiger

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