Brand zweier Bauernhöfe in Offling

Altenmarkt. Ein völlig abgebranntes landwirtschaftliches Anwesen und ein zweiter Bauernhof, bei dem nur das Wohnhaus gerettet werden konnte, sechs Verletzte, zwei getötete Rinder und Sachschaden von mindestens 1,5 Millionen Euro – das ist die Bilanz der verheerenden Brandkatastrophe in Offling bei Altenmarkt am Montag, 21. Juli.

Rund 350 Feuerwehrler von 15 Feuerwehren kämpften gegen den Großbrand auf den beiden Bauernhöfen. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch starken Wind, durch den sich das Feuer in wenigen Minuten großflächig ausbreitete und vom eigentlichen Entstehungsort des Brandes über die Staatstraße 2093 hinweg auf einen rund 50 Meter entfernt stehenden Bauernhof übergriff und auch ein dahinter liegendes Feld in Brand steckte. Der böige Wind verwehte das Wasser aus den Strahlrohren der Löschmannschaften, so dass ein gezielter Löschangriff anfangs nicht möglich war.

Begonnen hatte das Flammeninferno gegen 15 Uhr. Ein Landwirt hatte mit einem Erntewagen Stroh in den Stadel seines Anwesens gefahren, als er bemerkte, dass die Ladung Feuer gefangen hat. Mit dem Traktor zog er den brennenden Ladewagen sofort aus dem Gebäude, doch der Stadel hatte bereits Feuer gefangen. Begünstigt durch den starken Wind stand das gesamte Betriebsgebäude und auch das Wohnhaus in kürzester Zeit in Flammen. Die enorme Strahlungshitze und Funkenflug führte dazu, dass das Feuer auch auf den gegenüberliegenden Bauernhof übersprang. „Das Gebäude ist förmlich explodiert und stand in Sekunden lichterloh in Flammen,“ beschrieb es Kreisbrandinspektor Paul Klinger, der als einer der Ersten am Brandort eintraf und daraufhin den Großalarm auf insgesamt 15 Feuerwehren erweitern lies.

Beim westlich gelegenen Hof, dort wo der Brand ausgebrochen war, gab es nichts mehr zu retten. Die Löschtrupps konzentrierten sich deshalb darauf, das Wohnhaus des zweiten Hofes an der Brandmauer vor einem Übergreifen des Feuers abzuschirmen sowie weitere Gebäude im Umkreis der brennenden Höfe zu schützen. Dies gelang auch, ebenso konnten die Hofbesitzer und sowie die Atemschutzträger der Feuerwehr beinahe 100 Kühe und Kälber aus den Stallungen beider Höfe in Sicherheit bringen. Nur eine Kuh und ein Kälbchen kamen in den Flammen um.

Probleme bereitete den Feuerwehren die Wasserversorgung. Im Ort wurden alle Hydranten angezapft und zusätzlich wurden lange Schlauchleitungen von Nachbarorten bis zum Brandort verlegt. Aber weder sechs Wasserleitungen, die mit Schlauchwagen von der nahen Alz bis zur Ortsmitte verlegt wurden, noch der Einsatz von Tanklöschfahrzeugen reichten aus, um genügend Wasser zur Verfügung zu haben. „Bei so extremen Wind und wenn Flammen waagrecht durch das Dorf jagen, dann haben wir keine Chance,“ so einer der Feuerwehrler.

Erst als der Wind abflaut war, konnte die Löschmannschaften gezielt gegen die Brandherde vorgehen. Gegen 17.15 Uhr, rund zwei Stunden nach Brandausbruch, waren die Feuer weitgehend unter Kontrolle.

Sechs Personen wurden bei den Löscharbeiten leicht verletzt, darunter zwei Feuerwehrmänner. Einer musste mit einer leichten Rauchvergiftung in das Krankenhaus Trostberg gebracht werden. Alle anderen Verletzten wurden vor Ort vom Rettungs- und Sanitätsdienst versorgt.

Noch während der Löscharbeiten kamen Landrat Hermann Steinmaßl und Altenmarkts Bürgermeister Horst Meier an den Unglücksort und machten sich ein Bild vom Ausmaß der Brandkatastrophe. Beide sprachen mit den betroffenen Familien, die durch das Feuer Hab und Gut verloren haben.

Trotz des großen Unglücks für die Brandleider ist die Nachbarschaftshilfe der Offlinger Dorfgemeinschaft beachtlich. Die Nachbarn der betroffenen Bauernfamilien nahmen die geretteten Tiere auf und versorgen sie in ihren Stallungen. Bis in die Nacht hinein brachten die Anwohner den Einsatzkräften Getränke, Brotzeiten, Kaffee und Kuchen.

„Wir haben unser Bestes gegeben, mehr war aber aufgrund der extremen Witterungsbedingungen nicht zu machen,“ so das Resümee von Kreisbrandrat Hans Gnadl nach Ende der Löscharbeiten. Neben dem Großbrand bei der Recycling-Firma in Fridolfing vor zwei Jahren war es der größte Einsatz, den Gnadl in seiner dreijährigen Amtszeit als Kreisbrandrat leitete. Bisher noch nicht erlebt habe er, dass die Strahlungshitze eines Feuers so hoch ist, dass dadurch ein fünfzig Meter entferntes Gebäude in Brand gesteckt wird. „Der extreme Wind war unser größter Gegner.“

Lob für den Einsatz der Feuerwehren und die gute Zusammenarbeit aller am Einsatz beteiligten Hilfsorganisationen gab es von Willi Steinhauer, Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt. Alle Helfer hätten trotz schwierigster Bedingungen sehr gut und kooperativ zusammengearbeitet.

Neben den 350 Floriansjüngern der Feuerwehren aus Altenmarkt, Rabenden, Trostberg, Heiligkreuz, Stein an der Traun, Traunreut, Seeon, Seebruck, Pittenhart, Obing, Traunstein, Truchtlaching sowie der Werkfeuerwehren der Alzmetall Altenmarkt, Degussa Trostberg und von Bosch-Siemens Traunreut waren zwei Notärzte, zwei Rettungswagen und der Einsatzleiter Rettungsdienst am Unglücksort. Zusätzlich wurden die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung und 20 Helfer des Sanitätsdienstes des Bayerischen Roten Kreuzes sowie das Kriseninterventionsteam (KIT) der Malteser zur Brandstelle beordert. Polizei und Kripo waren mit zehn Mann im Einsatz. Die Brandfahnder der Kriminalpolizei haben die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Die Feuerwehr vermutet, dass ein heißgelaufenes Lager am Erntewagen oder ein technischer Defekt am Gebläse, dass in der Tenne eingesetzt war, den Brand verursacht haben könnte.

Noch am Montagabend wurde mit den Abbrucharbeiten an den niedergebrannten Gebäuden begonnen. Diese wurden von den Ortsverbänden des Technischen Hilfswerkes (THW) Traunreut und Freilassing unterstützt, die unter anderem die Einsatzstelle ausleuchteten. Die Feuerwehr Altenmarkt blieb während der Nacht als Brandwache vor Ort, um aufflammende Feuer und letzte Glutnester zu löschen. Die Staatsstraße 2093 zwischen Truchtlaching und Altenmarkt blieb die Nacht über ebenfalls gesperrt.

Bericht: Peter Volk, KFV Traunstein

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