Millionenschaden bei Hotelbrand in Inzell

Inzell. Beim Brand in den Dachgeschossen des „Hotel zur Post“ im Ortskern von Inzell ist am Samstag ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Der dreigeschossige Dachstuhl im Ostflügel des Gebäudekomplexes brannte aus und fiel in sich zusammen. Auch die darunter liegenden Stockwerke wurden bei dem, sich rasch ausbreiteten Feuer weitestgehend zerstört. Einem Großaufgebot von 15 Feuerwehren mit über 360 Helfern gelang es aber ein Übergreifen auf das Hauptgebäude und auf benachbarte Häuser zu verhindern. Zwei Feuerwehrler wurden bei den Löscharbeiten verletzt.

Das Hotel wurde evakuiert. Alle Hotelgäste und Bediensteten konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden und blieben unverletzt. Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes betreuten insgesamt 101 Personen. Diese wurden später in umliegenden Hotels in Inzell untergebracht. Die Ursache des verheerenden Feuers, das im östlichen Dachstuhl ausgebrochen war, ist noch unklar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. 

Um 16.54 Uhr wurde von der Einsatzzentrale der Polizeidirektion Traunstein Alarm für die Feuerwehren Inzell, Hammer, Weißbach und Ruhpolding mit der Meldung „Dachstuhlbrand im Hotel zur Post“ ausgelöst. Als die ersten Löschtrupps der Feuerwehr Inzell am Brandort eintrafen quoll heller Rauch in dicken Schwaden aus dem Dachstuhl. Die Feuerwehrler erkannten sofort, dass das Feuer im Innern der drei Dachgeschosse nur schwierig in Griff zu bekommen sein wird und forderten weitere Löschmannschaften an. Daraufhin wurde Alarm der Stufe 3 (Großbrand) ausgelöst. Neben den Wehren aus Siegsdorf, Eisenärzt, Traunstein, Bergen und Vogling wurden auch die Löschzüge der Feuerwehren Traunreut und Bad Reichenhall sowie die Tanklöschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Trostberg und der Werkfeuerwehr Chemiepark Trostberg zur Einsatzstelle beordert.

Die Feuerwehren versuchten zuerst das Feuer von Drehleitern aus mit Wasser und Schaum zu löschen und gleichzeitig durch den Innenangriff von Atemschutzträgern bis zum Brandherd vorzudringen. Doch das Feuer wütete bereits auf drei Etagen in den Zimmern und Fluren des Dachgeschosses sowie in den Hohlräumen. Dichter Brandrauch machte den Floriansjüngern ein Vorrücken unmöglich. Auch bestand zunehmend Einsturzgefahr. Die Holzbauweise mit Fellböden und in den Zwischenräumen mit Bitumenisolierung gab dem Feuer reiche Nahrung. Um den enormen Hitzestau mit Temperaturen von mehreren Hundert Grad im Dachstuhl beseitigen und das  Feuer löschen zu können, öffneten die Feuerwehrler das Dach. Mit Äxten und Motorsägen rissen sie die Dachhaut ein und schufen sich so Zugang zu den schwellenden Glutnestern.

Die meisten Löschtrupps konnten nur mit Atemschutzgeräten arbeiten, denn der starke Brandrauch hätte schnell zu Rauchgasvergiftungen geführt. Deshalb wurden mehrere Dutzend Atemschutzträger auf Bereitschaft vorgehalten, um die Trupps nach ihren überaus anstrengenden Löscharbeiten austauschen zu können.

Polizei und Feuerwehr sperrten den Ortskern großflächig ab, um Hunderte von Schaulustigen vom Gefahrenbereich fern zu halten. Auch die Pfarrkirche und der Friedhof mussten gesperrt werden, da nicht auszuschließen war, dass die östliche Giebelseite des Hotelgebäudes einstürzt und in den Friedhof fällt. Auch die Bundesstraße 306 musste teilweise gesperrt werden, um der „Armada“ an Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeugen freien Zugang zum Brandort zu schaffen.
Weithin sichtbar zog sich eine schwarze Rauchfahne aus dem brennenden Gebäude von Inzell über Ruhpolding bis nach Unterwössen hin, wie ein Polizeihubschrauber feststellte. Die Anwohner im Umfeld des Brandortes wurden per Radiodurchsagen aufgefordert Fenster und Türen geschlossen zu halten, um sich vor Rauchgasen zu schützen.  Ein Abc-Messzug der Freiwilligen Feuerwehr Altötting sowie der Werkfeuerwehr Infraserv Gendorf führte laufend Messungen durch. Bedenkliche Messwerte wurden nicht festgestellt. Es bestand keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Gegen 21 Uhr – vier Stunden nach Brandausbruch – brannte das Feuer nochmals kräftig auf und meterhohe Flammen züngelten aus dem nun offenen Dachstuhl, der nach und nach in sich zusammenkrachte. Auf dieses neuerlich kräftige Aufflammen reagierte die Feuerwehr mit massivem Schaummitteleinsatz. Von fünf Drehleitern aus sowie durch Löschtrupps rund um das Gebäude wurde das Feuer mit Schaum bedeckt. Dies hatte nach cirka eineinhalb Stunden Erfolg, so dass die Einsatzleitung „Feuer unter Kontrolle“ melden konnte. Die Löscharbeiten dauerten jedoch dann noch bis zum Sonntagmorgen an und wurden erst am Sonntagmittag weitestgehend eingestellt. Zugleich wurde mit dem Abriss und den Aufräumungsarbeiten begonnen.

Unterstützt wurden die Löscharbeiten der Feuerwehr von 30 Angehörigen des Technischen Hilfswerks der Ortsverbände Traunstein, Traunreut und Ainring (BGL). Sie sorgten für die Stromversorgung und leuchteten die Einsatzstelle aus.
Geleitet wurde er Einsatz von Gerhard Kastner, 1. Kommandant der Feuerwehr Ruhpolding, denn ein Großteil der Feuerwehr Inzell einschließlich der Kommandanten Josef Steinhauer und Georg Mayer waren Teilnehmer einer Feuerwehr-Sternfahrt und deshalb nicht vor Ort. Erst am späten Samstagabend übernahm Steinhauer das Einsatzkommando von seinem Kollegen Kastner.

Dieser wurde in der Einsatzleitung unterstützt von der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, den Kreisbrandmeistern Heinz Handrick und Hans Strecker sowie von Rudi Zeif, Kreisbrandrat im Landkreis Berchtesgadener Land. Zeif vertrat Traunsteins Kreisfeuerwehrchef Hans Gnadl, der zusammen mit Kollegen der Kreisbrandinspektion ebenfalls auf einer Reise auswärts war.  Bei dem Einsatz wurden zwei Feuerwehrmänner verletzt. Einer zog sich eine Verletzung am Sprunggelenk zu. Er wurde zur Behandlung ins Klinikum Traunstein gebracht. Ein anderer Floriansjünger wurde am Auge verletzt.

Zur Betreuung der evakuierten Hotelgäste sowie der Versorgung der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk wurden seitens der Rettungsleitstelle Traunstein 40 Helfer des Bayerischen Roten mit den Schnelleinsatzgruppen aus Inzell, Siegsdorf, Traunstein und Ruhpolding entsandt. Die Sanitätseinsatzleitung unter der Führung von Leitendem Notarzt Alexander Wolff wurde gebildet. Außerdem standen zeitweise auch zwei Notarztfahrzeuge und zwei Rettungswagen des BRK bereit. Die Rot-Kreuz-Helfer sorgten unter anderem auch dafür, dass Hotelgäste, die sich bei Brandausbruch in der Sauna befanden und nur mit Bademantel begleitet aus dem Gebäude flüchteten, neue Kleidung bekamen.  Insgesamt entstand bei dem Großbrand ein Schaden von mehreren Millionen Euro.

Der Ostflügel des Hotelkomplexes muss vermutlich vollständig abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Brandursache bis noch völlig ungeklärt. Spezialisten der Kriminalpolizei Traunstein haben die Ermittlungen aufgenommen. pv.

Quelle Bericht: pv / Kreisfeuerwehrverband Traunstein 21.05.07

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